Seine Präsidentschaft begann mit der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft und endete mit dem Gewinn der Nordmeisterschaft. Dazwischen lagen fast zwei Jahrzehnte, in denen Friedel Schwarze die Geschicke des VfL Osnabrück lenkte.

 
Der ebenso erfolgreiche wie machtbewusste Unternehmer tat das mit großem persönlichen Einsatz, musste sich aber auch immer wieder vorwerfen lassen, den Verein wie ein Alleinherrscher zu regieren. „Ich habe schätzungsweise zehn Prozent von allem gewusst, der gesamte Vorstand vielleicht ein Prozent. 89 Prozent wusste nur Schwarze allein“, gab sein Amtsvorgänger und späterer Vorstandskollege Erwin Kümper nach dem Ende einer Ära zu Protokoll.

Seine Spieler lernten auch den anderen Schwarze kennen. „Wenn es Probleme gab oder jemand Hilfe brauchte, war er immer zur Stelle“, erinnerte sich Helmut Bensmann (1940-2016), der zwischen 1959 und 69 insgesamt 173 Punktspiele für den VfL absolvierte.
 
Wie viele Zuschauer fasste die Bremer Brücke?
 
Als Friedel Schwarze im Mai 1951 gewählt wurde, war er gerade 34 Jahre alt. Er hatte den VfL als Fußballobmann und Vorstandsmitglied durch die 40er Jahre begleitet, doch nun wollte er mit „seinem“ Verein hoch hinaus. Die erste Chance bot sich im Sommer 1952, als das Team von Walter Hollstein und Harry Hemmo in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft vorstieß.

Friedel Schwarze belohnte den Erfolg mit dem Ausbau der Bremer Brücke, wo geschätzte 35.000 Zuschauer ein beachtliches 0:0 gegen den Topfavoriten VfB Stuttgart verfolgten. Doch der VfL verpasste das Finale am letzten Spieltag und der Versuch, die Nordseite des Stadions zu erweitern, bescherte dem Verein einen jahrzehntelangen Streit mit den Besitzern des angrenzenden Grundstücks.

Auch in der Oberliga Nord lief alles nicht nach Wunsch. Der VfL steckte oft im Mittelfeld fest, feierte 1958 aber einen der größten Erfolge der Vereinsgeschichte. Am 21. Juni gewannen die Lila-Weißen nach einem spektakulären 3:2-Sieg gegen den Hamburger SV den begehrten Nordpokal.
 

Friedel Schwarze – Vereinspräsident ab 1951

Der Präsident, dem sein beachtlicher Körperumfang den Spitznamen „Der dicke Schwarze“ eintrug, wollte mehr. Er verpflichtete und entließ Spieler und Trainer, organisierte Auswärtsfahrten, Hotelzimmer und gemeinsame Essen, gab aussichtsreichen jungen Spielern einen Job in seinem Unternehmen und verschmolz die Geschäftsstelle des Vereins und seine Firmenzentrale an der Großen Gildewart nicht nur geografisch. Vor allem aber ließ er sich nicht in die Karten gucken. Schwarze soll „ein Vermögen“ in den VfL investiert haben. Da wichtige Nachweise fehlten, konnte über Höhe und Verwendung aber immer nur spekuliert werden. In seiner voluminösen Vereinsgeschichte* zitiert Harald Pistorius aus einem Wirtschaftsprüfer-Bericht, der die Haushaltsführung des VfL nach Schwarzes Tod unter die Lupe nahm: „Nicht korrekte Buchführung, falsche Aufzeichnungen, unvollständige Kontokarten.“

Mit einer Machtfülle, wie sie nach ihm allenfalls noch Hartwig Piepenbrock besaß, arbeitete der Präsident auf ein großes Ziel hin: 74 Oberliga-Vereine bewarben sich Anfang der 60er Jahre um den Einzug in die neue Bundesliga, deshalb konstruierte der Deutsche-Fußball-Bund ein kompliziertes Zulassungssystem, das sowohl sportliche als auch regionale, wirtschaftliche und technische Aspekte berücksichtigen sollte. Der VfL rechnete sich gute Chancen aus, denn in der Zwölfjahreswertung der Nordklubs belegten die Lila-Weißen den dritten Platz – knapp hinter Hannover 96 und dem FC St. Pauli, aber deutlich vor Holstein Kiel, Eintracht Braunschweig oder Arminia Hannover.
 
Warum platzte der große Traum?
 
Doch am 8. Mai 1963 ereilte den Verein böse Kunde aus der DFB-Zentrale: „Eintracht Braunschweig weist die besseren wirtschaftlichen Voraussetzungen auf, die der Ausschuss bei seiner schweren Entscheidung im Fall einer gleich guten sportlichen Qualifikation zu würdigen hatte.“

Friedel Schwarze war entsetzt. Doch auch die Nachverhandlung, in der Schwarze auf seinen mittlerweile zum DFB-Präsidenten beförderten Amtsvorgänger Hermann Gösmann traf, bescherte den Osnabrückern kein positives Resultat. Der nunmehr 46-jährige erfolgreiche Unternehmer verstand die Welt nicht mehr: „Ich stehe vor den Trümmern meines Lebenswerkes“. Bis heute ist die Nicht-Nominierung des VfL für die Beletage des deutschen Fußballs ein Streitthema erster Güte.

Doch es ging auch wieder bergauf. Radoslav Momirski übernahm die Mannschaft im Sommer 1968 und bestritt mit ihr eine Bilderbuch-Saison, an deren Ende der VfL unangefochten Meister der Regionalliga Nord wurde. In 32 Ligaspielen hatten die Osnabrücker sagenhafte 94 Tore erzielt – allein 30 gingen auf das Konto von Neuzugang Wolfgang Kaniber.

Friedel Schwarze, der sich gerade erst über die Deutsche Meisterschaft des von ihm lange Jahre unterstützten Basketball-Teams gefreut hatte, war überglücklich und erlebte vor dem Rathaus „den stolzesten Tag meines Lebens seit meiner Wahl zum Präsidenten“.

In der anschließenden Aufstiegsrunde machte der VfL eine ähnlich gute Figur wie in der Endrunde 1952, doch am Ende mussten sich die Osnabrücker mit Platz 2 hinter Rot-Weiß Essen begnügen. In den folgenden drei Jahren qualifizierten sich die Lila-Weißen ebenfalls für höhere Aufgaben, doch ihr Präsident erlebte den Wandel vom durchschnittlichen Regionalligisten zum permanenten Aufstiegsaspiranten nicht mehr mit. Er starb – nur vier Tage nach dem letzten Spiel der Aufstiegsrunde 1969, das der VfL mit 2:0 bei Tasmania Berlin gewann – an den Folgen eines Herzinfarkts.

Friedel Schwarze wurde nur 52 Jahre alt. 

Dr. Thorsten Stegemann

Thorsten Stegemann arbeitet seit Mitte der 90er Jahre als Journalist und war in dieser Zeit u.v.a. für SPIEGEL Online, telepolis.de, den Rheinischen Merkur, die Westdeutsche Zeitung oder die Deutsche Presse-Agentur tätig. Stegemann unterrichtet außerdem an Hochschulen und in der Erwachsenenbildung. Bis 2019 war er Chefredakteur von 26 Print-Ausgaben „Osnabrücker Wissen”, seit 2020 leitet er die Online-Ausgabe des Magazins.