Wer das Diözesanmuseum durch die schwere Eingangstür betritt, stößt auf eine rechteckige glasgedeckte Bodenkammer mitdem Foto eines Grabes sowie zwei kleinen Grabbeigaben. Im 1:1-Format ist ein aufgemauertes Grab aus dem 12. Jahrhundert zu sehen, in dem vermutlich 1237 der Osnabrücker Bischof Thiethard beigesetzt wurde.

 
Der kleine Kelch und der Hostienteller im Miniaturformat zeigen dem Betrachter, dass hier ein Priester seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Das Foto wurde 1966 im Osnabrücker Dom aufgenommen, wo Bauarbeiter bei der Anlage eines unterirdischen Heizungsschachtes auf die Grablege gestoßen waren.
 

1966 stießen Bauarbeiter bei der Anlage eines unterirdischen Heizungsschachtes auf das Grab, in dem vermutlich Bischof Thiethard beigesetzt wurde.

Wie Thiethard wurden auch andere mittelalterliche Bischöfe Osnabrücks in der Kathedrale beigesetzt: so etwa der heilige Adolf von Tecklenburg, der als Zisterziensermönch eine möglichst bescheidene Grablege im Eingangsbereich zum Dom wünschte. An ihn erinnert ein Altarbild am südlichen Zugang zum Chorumgang, das Bischof Wilhelm Berning zu Adolfs 700. Todestag im Jahr 1924 weihte.

Im dritten Raum des Diözesanmuseums fällt der Blick des Besuchers unweigerlich auf eine lebensgroße liegende Skulptur, die Bischof Konrad III. von Diepholz darstellt. Dieser galt im 15. Jahrhundert nicht nur als geistlich ausgesprochen versierter Oberhirte, sondern wegen seiner Aversion gegen kostspielige Kriege zugleich als einer der Garanten für Wohlstand und Frieden in Stadt und Land.
Der Bischof errichtete um 1475 nicht nur die Marienkapelle am östlichen Ende des Chorumgangs, sondern schaffte wohl noch zu seinen Lebzeiten auch die große Figur für sein dort geplantes Grab an. 1478 setzte man ihn hier tatsächlich bei.
 

Skulptur des Bischofs Konrad III. von Diepholz im Jahr 1939.

Seit dem 19. Jahrhundert haben zudem die Weihbischöfe Carl Clemens von Gruben, Karl Anton Lüpke und Bernhard Schräder sowie die Bischöfe Johannes Heinrich Beckmann (+1878), Bernard Höting (+1898), Hubertus Voss (+1914), Wilhelm Berning (+1955), Franziskus Demann (+1957), Helmut Hermann Wittler (+1987) und Hubertus Brandenburg (+2009) in Konrads „Bischofskapelle“ ihre letzte Ruhe gefunden: zunächst in Erdbestattung und seit 1949 in einer Gruftanlage mit insgesamt 16 gemauerten Grabkammern.

Eine Gedenktafel an der Westwand der Kapelle erinnert zudem an alle katholischen Oberhirten Osnabrücks seit dem um 804 verstorbenen Missionar Wiho– egal ob sie im Dom, im Kloster Iburg oder an ganz anderen Orten beigesetzt wurden.

Dr. Hermann Queckenstedt

Hermann Queckenstedt wurde 1963 in Wolfsburg geboren. Beruflich war er unter anderem als Redakteur der "Neuen Osnabrücker Zeitung" und Geschäftsführer des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land tätig. Seit 2000 ist er als Bistumsarchivar auch für die Kulturarbeit in der Diözese Bistum Osnabrück zuständig und leitet seit 2008 darüber hinaus das Diözesanmuseum Osnabrück.