Zwischen Schaumburger Wald, Bückebergen und Wesergebirge liegt das idyllische Städtchen Bückeburg, das dem Besucher nicht nur eine beneidenswerte landschaftliche Lage, sondern auch viele kulturelle Sehenswürdigkeiten und ein reiches geschichtliches Erbe zu bieten hat.

 
Bückeburg wurde im 17. und 18. Jahrhundert als zeitweilige Hauptstadt des Fürstentums Schaumburg-Lippe zu einem bedeutenden Ort der deutschen Kultur- und Geistesgeschichte. Tomas Abbt, Johann Gottfried Herder und Johann Christoph Friedrich Bach beehrten die Stadt mit ihrem Aufenthalt, später weilten namhafte SchriftstellerInnen wie Lulu von Strauß und Torney, Adolf Holst oder Herman Löns in ihren Mauern.

Dass sich das Zentrum des Landkreises Schaumburg in den vergangenen Jahrzehnten auch zu einem modernen Wirtschaftsstandort entwickelt hat und heute knapp 20.000 Einwohner beherbergt, tut seinem Erholungs- und Erlebniswert keinen Abbruch.
 
Wer schnitzte die Götterpforte?
 
An Stelle der eindrucksvollen Schlossanlage stand schon im frühen 12. Jahrhundert eine Burg, die von den Schaumburger Grafen bewohnt wurde, denen unter anderem das zweifellos historische Verdienst zukommt, die Städte Lübeck, Kiel und Hamburg gegründet zu haben. Ihr heutiges Erscheinungsbild verdankt das Schloss allerdings dem Grafen Ernst, der Bückeburg in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zur Residenz erhob. Weithin bekannt sind der prunkvolle „Goldene Saal“, in den die berühmte Götterpforte führt. Ebert Wolf der Jüngere und sein Bruder Jonas erhielten 1604 den Auftrag für das prunkvolle, handgeschnitzte Werk. Absolut sehenswert sind überdies der große Festsaal oder die aufwendig gestaltete Schlosskapelle mit den überbordenden Wand- und Deckengemälden.
 

Das imposante Mausoleum


Besucher sollten außerdem einen Blick in das erst zwischen 1911 und 1915 für eine Million Goldmark errichtete Mausoleum am Rande des Schlossparks werfen. Die Begräbnisstätte des Fürstenhauses Schaumburg-Lippe wird in 25 Metern Höhe von der größten Goldmosaikkuppel Europas gekrönt. Außerdem lohnt ein Gang durch den großzügig angelegten Schlosspark.
Link-Tipp: www.schloss-bueckeburg.de
 
Was schenkte der Kaiser zur Silberhochzeit?
 
Im Umkreis von Bückeburg befinden sich einige weitere bedeutende Schloss- und Burganlagen. Das nördlich der Stadt gelegene Jagdschloss Baum wurde 1760/61 im Auftrage des Grafen Wilhelm I. von Schaumburg-Lippe erbaut, Schloss Hagenburg, der mächtige Sommersitz der Schaumburger, ist durch einen gut einen Kilometer langen künstlichen Kanal mit dem Steinhuder Meer verbunden. Mitten in demselben liegt die Festung Wilhelmstein, die Graf Wilhelm zwischen 1761 und 1767 als Militärschule errichten ließ. Sehenswert ist natürlich auch das Wahrzeichen der Region, die Schaumburg auf dem Nesselberg. Sie ging nach dem Aussterben der Schaumburger Hauptlinie zunächst in hessischen und anschließend in preußischen Besitz über. Kaiser Wilhelm II. schenkte sie einem Fürsten von Schaumburg-Lippe dann allerdings zur Silberhochzeit, sodass das Stammhaus wieder in den blaublütigen Familienbesitz zurückkehrte.
 
Wo predigte Herder?
 
An der Fassade prangt die Aufschrift „Exemplum religionis non structurae“ („Ein Beispiel der Frömmigkeit, nicht der Baukunst“), was sinnigerweise besagen soll, dass dieses Gotteshaus in erster Linie dem religiösen Anliegen gewidmet ist. Doch die zwischen 1611 und 1615 erbaute Kirche, die zu den schönsten Beispielen frühbarocker Baukunst zählt, bietet trotzdem reichlich Anlass, das architektonische Talent zu bewundern. Hinter der Weserrenaissance-Fassade finden die Besucher eine überaus prunkvolle Innenausstattung nebst Compenius-Orgel und einem sehenswerten Bronze-Taufbecken von Adrian de Vries aus dem Jahr 1613.

An der evangelischen Stadtkirche wirkte kein Geringerer als Johann Gottfried Herder. Graf Wilhelm Friedrich Ernst zu Schaumburg-Lippe holte den Dichter, Theologen und Philosophen 1771 als Oberprediger und Konsistorialrat nach Bückeburg. Fünf Jahre später wurde er auf Vermittlung Goethes Generalsuperintendent in Weimar.
 
Wann wurden Drehflügler museumsreif?
 
Der Bückeburger Marktplatz, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstand, wird von Kennern zu den schönsten Plätzen Deutschlands gezählt. Das Rathaus stammt allerdings aus dem Jahr 1905, und auch seine Umgebung wurde im 20. Jahrhundert noch einmal aufwendig restauriert und neu gestaltet. Im Rathaus, an dessen Treppenaufgang die Devise „Das Beste nur soll herrschen“ von einem abblätternden Bannerträger hochgehalten wird, finden auch Theater- und Konzertaufführungen statt.
 
 

Bückeburger Marktplatz


Das Hubschraubermuseum am Sabléplatz dokumentiert den Traum vom Fliegen mit einer Vielzahl, teilweise einzigartiger Exponate – von Leonardo da Vincis Helix-Spirale aus dem Jahr 1483 bis zu rund 50 Originalhelikoptern und zahlreichen Modellen. Das renommierte Museum, dessen Grundstein der Hubschrauberpilot Werner Noltemeyer 1961 legte, zog im letzten Jahr 20.000 Besucher an.
 
 

Hubschraubermuseum am Sabléplatz


Etwas schwerer zu erreichen ist der Idaturm. Er steht im Harrl, ist 28 Meter hoch und wurde von Fürst Georg Wilhelm im Hungerjahr 1847 gebaut, um die Grundversorgung seiner Bauern zu sichern. Er diente überdies zur Landvermessung. Von der Aussichtsplattform des nach Georg Wilhelms Frau Ida benannten Turms können Besucher bei gutem Wetter einen herrlichen Blick in das Schaumburger Land bis hin zur Porta Westfalica werfen. 

Dr. Thorsten Stegemann

Thorsten Stegemann arbeitet seit Mitte der 90er Jahre als Journalist und war in dieser Zeit u.v.a. für SPIEGEL Online, telepolis.de, den Rheinischen Merkur, die Westdeutsche Zeitung oder die Deutsche Presse-Agentur tätig. Stegemann unterrichtet außerdem an Hochschulen und in der Erwachsenenbildung. Bis 2019 war er Chefredakteur von 26 Print-Ausgaben „Osnabrücker Wissen”, seit 2020 leitet er die Online-Ausgabe des Magazins.