Vor der Corona-Pandemie wurden Mitarbeiter, die im Home-Office tätig waren, nicht selten beneidet oder beargwöhnt. In wenigen Monaten hat sich das Image des Zuhause-Arbeitens radikal verändert. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine neue Studie der IUBH Internationalen Hochschule.

 
Für die Erhebung wurden 75 Geschäftsführer, 150 Mitarbeiter aus der mittleren Führungsebene und 325 fachliche Mitarbeiter befragt. 72 Prozent stimmten der Aussage zu, dass sie grundsätzlich gern von zuhause arbeiten und sich vorstellen können, das auch in Zukunft vermehrt zu tun. „Auch Befragte mit Kindern sind nach eigenen Angaben mit gerade mal sechs Prozentpunkten Unterschied nur geringfügig unproduktiver als kinderlose Kollegen,“ so Prof. Dr. Regina Cordes, Studienleiterin der IUBH.

Viele Befragte gaben an, dass sie im Home-Office selbstbestimmter (68 Prozent) und effizienter (61 Prozent) arbeiten würden. Fast jeder Zweite fühlte sich energiegeladener, mehr als 50 Prozent auch ausgeglichener.
Nachteile wurden ebenfalls genannt, wenn auch in deutlich geringerem Umfang. 15 Prozent gaben an, im Home-Office weniger produktiv zu sein, zehn Prozent waren mit der Ausstattung im heimischen Büro unzufrieden. Der soziale Austausch mit KollegInnen fehlte 60 Prozent der befragten Teilnehmer.

Die Führungskräfte setzten in der Studie eigene Akzente. 28 Prozent hatten den Eindruck, dass das Home-Office Arbeitnehmer stärker belastet, 60 Prozent meinten, dass die Krise sie vor besondere Herausforderungen – etwa die Kommunikation mit Mitarbeitern und Kunden – stellt. Zwei Drittel der Führungskräfte wären jedoch auch in Zukunft für die Möglichkeit des Home-Office offen.
42 Prozent der Befragten glauben denn auch, dass es nach der Corona-Pandemie mehr Home-Office-Angebote als vor der Krise geben wird.

„Niemand weiß, wie lange die Einschränkungen durch den Corona-Ausbruch bleiben werden. Fest steht jedoch, dass es einen spürbaren Einschnitt in der Wahrnehmung gegeben hat, was in puncto Home-Office alles möglich ist“, so Cordes. „Die Mehrheit von Angestellten und Führungskräften hat die Vorteile erkannt und wünscht sich diese Möglichkeit in Zukunft, auch da die Umstellung einen gewissen Vorstoß beim Digitalisierungsgrad von Unternehmen mit sich brachte.“

 

 
 
 

Gibt es ein Recht auf Home-Office?
Bis dato nicht, doch der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD wollte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausdrücklich verbessern. Gut möglich, dass noch in diesem Jahr entsprechende Regelungen auf den Weg gebracht werden. Die United Leaders Association (ULA) hält als Vereinigung der deutschen Führungskräfteverbände einen „allgemeinen Rechtsanspruch“ zwar nicht für zielführend, plädiert aber ebenfalls für ein Umdenken in dieser Frage. „Die in Deutschland lange vorherrschende Präsenzkultur in vielen Bereichen des Arbeitslebens ist in vielen Fällen nicht mehr zeitgemäß. Digitale Technologien wie Videokonferenzen oder die mobile Verfügbarkeit von Daten und Informationen können ortsunabhängig erfolgreich eingesetzt werden“, heißt es in einem aktuellen ULA-Positionspapier.

Redaktion

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