Den Begriff „Karbon“ kennen viele als Beschreibung für ein besonders leichtes und bruchfestes Material aus dem Sportbereich. Wortwörtlich kommt der Ausdruck vom Lateinischen carbo und bedeutet „Kohle“.

 
Das Karbon beschreibt jedoch für Forscher vor allem einen geologischen Zeitabschnitt in der Erdgeschichte, der sich zwischen dem Devon- und dem Perm-Zeitalter befindet. Er begann vor etwa 360 Millionen Jahren und dauerte ungefähr 60 Millionen Jahre an. Den Namen erhielt die Epoche, da aus dieser Zeit die noch heute abgebauten Steinkohlevorkommen stammen.
 
Oberkarbonschichten in der Erde sind dafür bekannt, seltene und außergewöhnliche Fossilien von Pflanzen und Tieren dieses Zeitalters zu enthalten. Da die Schichten in der Regel aber einige Kilometer unter der Erdoberfläche liegen, ist die Bergung der Fossilien oft unmöglich. Anders beispielsweise am Osnabrücker Piesberg: Die Gesteinsschichten wurden dort im Laufe der Zeit wie in einem Fahrstuhl nach oben geschoben. Das macht den Piesberg zu einer der bedeutendsten Fundstätten von Fossilien aus dem Karbon weltweit.
 
Was wurde vom Karbonzeitalter aufbewahrt?
 
Im Karbon-Zeitalter vereinigten sich die Kontinente Laurussia und Gondwana zu dem Superkontinent Pangäa. Auf der Südhalbkugel kam es im Laufe des Karbon zu großflächigen Vereisungen, auf der Nordhalbkugel hingegen herrschten warme bis heiße Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Dieses warme und feuchte Klima bot beste Voraussetzungen für die Entstehung von Flachmeeren und großen Waldflächen, die von Kohlesümpfen durchzogen wurden.
 
Geflügelte Insekten, insbesondere Ur-Libellen, erste Reptilien und Amphibien besiedelten zu der Zeit das Land. Ein hoher Luft-Sauerstoffgehalt von 35 Prozent sorgte für das Auftreten von zwei Meter langen Riesentausendfüßern, auch Amphibien konnten mehrere Meter groß werden.
 
Wo befindet sich der größte Wurzelstock einer Sigillaria?
 
Die damaligen Wälder lassen sich nicht mit heutigen vergleichen. Riesige Schachtelhalme, Farne und Bärlappgewächse wuchsen in den Urwäldern und Sümpfen. Die vorherrschenden Vertreter letzterer Art waren Siegelbäume (Sigillaria) und Schuppenbäume (Lepidodendron), die bis zu 40 Meter hoch werden konnten. Der größte und am besten erhaltene Wurzelstock einer Sigillaria in Deutschland befindet sich im Museum am Schölerberg. Er hat einen Durchmesser von gut sechs Metern und bereichert als sprichwörtliches Aushängeschild des Museums das Foyer des Hauses – noch.
 
Denn in der neuen Dauerausstellung des Museums, die im Frühjahr 2023 eröffnet werden soll, wird unter anderem ein begehbarer Karbonwald zu sehen sein, der als Herzstück die Sigillaria enthalten wird. Sämtliche Fossilien des künftigen Karbonwaldes stammen – wie auch die Sigillaria – aus dem Piesberg in Osnabrück. So wird der Wald für die Besucherinnen und Besucher besonders authentisch und lebensecht.

Anna Ameskamp

Anna Ameskamp wurde 1991 in Vechta geboren und hat in Göttingen Ökosystemmanagement studiert. Anschließend absolvierte sie ihr Masterstudium Boden, Gewässer und Altlasten in Osnabrück. Seit 2019 ist sie als wissenschaftliche Volontärin im Museum am Schölerberg in Osnabrück tätig und zeigt großes Interesse an unterschiedlichsten naturkundlichen Themen.