Er wurde 1820 in Osnabrück geboren, doch seine berufliche Laufbahn führte ihn ans andere Ende der Welt. Als preußischer Generalkonsul und Geschäftsträger in den La Plata-Staaten verhandelte Friedrich von Gülich historisch bedeutsame Verträge.

 
Schon in Friedrichs Elternhaus wurde weit über den geografischen Tellerrand hinausgeschaut. Der ebenfalls in Osnabrück geborene Vater Gustav von Gülich (1791-1847) hatte sich als Landwirt, Unternehmer und vor allem als umfassend gebildeter Ökonom einen Namen gemacht. Seine 1830 veröffentlichte „Geschichtliche Darstellung des Handels, der Gewerbe und des Ackerbaus der bedeutendsten handeltreibenden Staaten“ beeindruckte neben dem Dichterfürsten Johann Wolfgang Goethe auch den jungen Karl Marx, der die „erste Gesamtdarstellung der Weltwirtschaftsgeschichte in deutscher Sprache“ intensiv analysierte.

Sohn Friedrich studierte Technik, Sprachen, Chemie, Nationalökonomie, Jura und Staatswissenschaften in Karlsruhe und Berlin und trat dann in den diplomatischen Dienst ein. Mitte der 1850er Jahre entwickelte er von seinem Dienstsitz in Montevideo im Auftrag des Deutschen Zollvereins vielschichtige diplomatische Beziehungen mit der Argentinischen Konföderation, dem Freistaat Buenos Aires sowie Uruguay und Paraguay.

Der im September 1857 unterzeichnete „Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag“ mit der Argentinischen Konföderation gilt als Grundlage der deutsch-argentinischen Beziehungen, obwohl es beide Länder in der heutigen Form noch nicht gab. Auch in Paraguay verhandelte Gülich so erfolgreich, dass er mit dem Nationalen Verdienstorden 1. Klasse ausgezeichnet wurde.

Seine weitere Laufbahn führte ihn nach Caracas und Tanger, ehe er 1877 zum Botschafter in Chile ernannt wurde. Vier Jahre später folgte die Versetzung in den Ruhestand. Gustav von Gülich starb am 3. Januar 1903 in Wiesbaden. Sein Sohn Ferdinand (1871-1970) wurde ebenfalls Diplomat. Er war u.a. Vizekonsul in Brasilien und deutscher Botschafter in Luxemburg.

 

 

Redaktion

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