Das Licht ist in unserer Kultur innig mit dem Leben verbunden: Es werde Licht, das Licht der Welt erblicken und stetspositiv mit Ideenreichtum, Genialität und Erleuchtung attribuiert. Seit Beginn der Industrialisierung schreitet jedoch die künstliche Beleuchtung unaufhörlich voran, heute mit etwa 2,2 % pro Jahr (weltweit).

 
Sie gilt als Zeichen für Unabhängigkeit, Fortschritt und Urbanisierung. Doch neue Forschungen offenbaren auch Schattenseiten. Während andere schädliche Emissionen inzwischen strengen Umweltgesetzen unterliegen, mangelt es hier an Problembewusstsein. Im Gegenteil: Dunkelheit wird als etwas Bedrohliches empfunden.
Das Ausmaß der Lichtverschmutzung (die künstliche Aufhellung des Nachthimmels) ist sogar aus dem Weltraum sichtbar: 99 % der Europäer leben unter einem lichtverschmutzten Himmel. Die Hälfte von ihnen kann daher die Milchstraße nicht mehr erkennen.
 
Wer stört den Puls des Lebens?
 
Ein Überfluss an künstlicher Beleuchtung stellt ein Umweltproblem und eine mögliche Gefährdung für die Gesundheit des Menschen dar. Besonders das energiereiche blaue Spektrum aus kaltweißen Lichtquellen (wie LED) stört den Hormonhaushalt und damit die Schlafqualität und Regenerationsfähigkeit. Sogar die Tumorentwicklung verschiedener Krebserkrankungen kann laut Studien begünstigt werden.
 

Die Lichtverschmutzung ist auch in Europa weit vorangeschritten.


Wie viele Insekten sterben durch Straßenlaternen?
 
Berechnungen zufolge sterben pro Straßenlaterne und Sommernacht 150 Insekten. Hochgerechnet auf die rund 23.800 öffentlichen Leuchten in Osnabrück würde dies gut 3,5 Millionen getötete Insekten pro Nacht bedeuten. Diese Lebewesen fehlen für wichtige Ökosystemdienstleistungen wie die Bestäubung unserer Kulturpflanzen und die natürliche Schädlingsbekämpfung (Fraß von Blattläusen), aber auch als Ressourcen im Nahrungsnetz (Rückgang der Vogelpopulationen).
Beleuchtungskonzepte mit LED sind allgegenwärtig, die hohe Effizienz verspricht viel Licht für wenig Geld (Energie). Dies birgt die Gefahr des Rebound-Effekts, dass mehr Licht verwendet wird als notwendig ist. Daher sollte der tatsächliche Lichtbedarf (Intensität, Dauer, Lichtlenkung, spektrale Zusammensetzung) genau ermittelt werden. Eine Reduzierung ist häufig möglich, spart Kosten und leistet einen wichtigen Beitrag zu den Strategischen Zielen der Stadt Osnabrück.
 

Der Sternenhimmel der Rhön


Experte zum Thema
 
Dr. Andreas Hänel, der frühere Leiter des Planetariums im Museum am Schölerberg, beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Lichtverschmutzung, engagiert sich in der Fachgruppe Dark Sky der Vereinigung der Sternfreunde e. V. und beantwortet auch gern Fragen zum Thema – Tel.: 0176 / 45 898 775, E-Mail: ahaenel@uos.de.

Hendrik Hoerner

Jan Hendrik Hoerner wurde 1990 in Bielefeld geboren und hat dort Umweltwissenschaften und den Masterstudiengang Fundamental and Applied Ecology absolviert. Nach Tätigkeiten in der Zeckenforschung und als wissenschaftlicher Volontär, arbeitet er heute für die Neukonzeption der Dauerausstellung im Museum am Schölerberg in Osnabrück.