Im Osnabrücker Raum kann man auch heute noch Fossilien finden, deren Interpretation einst auf großes Unbehagen bei Kirchenverantwortlichen stieß. Was aber sind Trochiten, Sonnenradsteine oder Bonifatiuspfennige?

 
Bei Trochiten handelt es sich um die versteinerten Stielglieder von Seelilien, die vor über 200 Millionen Jahren ihre Blütezeit hatten. Seelilien, anders als der Name vermuten lässt, gehören nicht zu den Pflanzen, sondern zu den Stachelhäutern. Sie sind somit verwandt mit Seeigeln und Seesternen. Auch heute noch existieren einige Seelilienarten in den Weltmeeren.

Die Germanen verehrten die Trochiten wegen ihren strahlenförmigen Strukturen auf den Ober- und Unterseiten als Abbilder der Sonne. Die große magische Bedeutung, ihrer Sonnenradsteine genannten Trochiten, leitet sich mythologisch von der Vergöttlichung der Sonne ab. Ein solches Abzeichen zu tragen, sicherte dem Träger die Unterstützung der Gottheit zu; ein Symbol für Tapferkeit.
 

Fossile Seelilie

Im Rahmen der Christianisierung bekehrte im 8. Jahrhundert der Missionar Bonifatius die germanische Urbevölkerung, teilweise mit rabiaten Methoden. Die alten heidnischen Gottheiten wurden allmählich von einem neuen, angeblich mächtigeren Gott verdrängt, den es gnädig zu stimmen galt.
 

Bonifatiuspfennig

Heidnische Relikte, wie die magischen Sonnenradsteine, wurden als wertlose Bonifatiuspfennige (auch Hexengeld und Wichtelpfennige genannt) abgegeben und geopfert. In Apotheken allerdings, fand man bis in das 18. Jahrhundert gepulverte Trochiten als Heilmittel gegen verschiedene Krankheiten, wie beispielsweise Melancholie.
 
Wo kann man heute im Osnabrücker Raum Trochiten finden?
 
Die Chancen stehen dort gut, wo Gesteine des Oberen Muschelkalks den Untergrund bilden; zum Beispiel am Schölerberg, am Harderberg, bei Natbergen oder Niederholsten. Mit etwas Glück, findet man dort seinen ganz persönlichen Sonnenradstein oder Bonifatiuspfennig. | Ko-Autor: Patrick Chellouche

Hendrik Hoerner

Jan Hendrik Hoerner wurde 1990 in Bielefeld geboren und hat dort Umweltwissenschaften und den Masterstudiengang Fundamental and Applied Ecology absolviert. Nach Tätigkeiten in der Zeckenforschung und als wissenschaftlicher Volontär, arbeitet er heute für die Neukonzeption der Dauerausstellung im Museum am Schölerberg in Osnabrück.