Mitte der 1960er Jahre lief ein Osnabrücker Stadtteilverein zu großer Form auf. Die Fußballer des TuS Haste feierten den Aufstieg in die höchste Amateurklasse, ein Jahr später stieß man in die 1. Runde des DFB-Pokals vor. 1967 gelang dem Klub der Sprung in die seinerzeit zweitklassige Regionalliga Nord – hier traf Haste auf den großen Stadtrivalen.

 
Der Aufstieg des Vereins, der 1945/46 schon einmal die Stadtmeisterschaft gewonnen und den VfL-Vorgänger 1. FSV Osnabrück hinter sich gelassen hatte, ist eng mit dem Namen Helmut Spielmeyer verbunden. Der zweikampfstarke Außenläufer kam 1951 von TuS Haste zum VfL Osnabrück und bestritt 179 Spiele für die Lila-Weißen, ehe er 1963 an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrte.
Spielmeyer nahm auf der Trainerbank Platz, baute seinen Verein zum ernstzunehmenden Stadtrivalen des VfL auf und feierte mit dem Team um die drei Fieselmann-Brüder Erhard, Herbert und Reinhold 1967 den sensationellen Aufstieg in die Regionalliga Nord.
 

Die Aufstiegsmannschaft des TuS Haste 1967

Am 27. August des Jahres kam es dann zum Aufeinandertreffen mit dem haushohen Favoriten von der Bremer Brücke. „Der VfL musste eine Zeitlang um seine Vorherrschaft fürchten“, erinnerte sich Helmut Spielmeyer später, und einem Teil der 12.000 Zuschauer ging es damals ähnlich. Sie fieberten dem Stadtderby entgegen, das ganz anders verlief als es sich die meisten Osnabrücker vorgestellt hatten. Zwar gingen die Lila-Weißen schnell mit 2:0 in Führung, doch Theo Menkhaus, der später beim Karlsruher SC unter Vertrag stand, erzielte erst den Anschlusstreffer und nach dem Ausgleich durch „Jonny“ Leiber sogar die Führung für den Underdog.

Herbert Schröder konnte fünf Minuten vor dem Abpfiff die Blamage abfedern, aber Haste blieb auch im Rückspiel ein unbequemer Gegner für den VfL. Trainer Spielmeyer gab seinen einsatzfreudigen Mannen erneut die richtige Marschroute mit auf den Weg, und so kam der VfL auch in der Osterhaus-Kampfbahn nicht über ein 1:1-Unentschieden hinaus.
 

Helmut Spielmeyer bei einem Fototermin mit „Osnabrücker Wissen“ im Jahr 2017

Haste bezwang in dieser Saison sogar die Aufstiegsanwärter Arminia Hannover und Göttingen 05, doch zum Klassenerhalt reichten die Achtungserfolge nicht. Trotzdem blieb Spielmeyer noch bis 1971 beim Verein seiner Jugend und kümmerte sich unter anderem um zwei hoffnungsvolle Nachwuchskicker, die an der „Bremer Brücke“ noch von sich reden machen sollten: Detlev Hegekötter und Lothar Gans.

Dr. Thorsten Stegemann

Thorsten Stegemann arbeitet seit Mitte der 90er Jahre als Journalist und war in dieser Zeit u.v.a. für SPIEGEL Online, telepolis.de, den Rheinischen Merkur, die Westdeutsche Zeitung oder die Deutsche Presse-Agentur tätig. Stegemann unterrichtet außerdem an Hochschulen und in der Erwachsenenbildung. Bis 2019 war er Chefredakteur von 26 Print-Ausgaben „Osnabrücker Wissen”, seit 2020 leitet er die Online-Ausgabe des Magazins.