Kein Dach über dem Kopf und das wenige Hab und Gut wird auch noch gestohlen: Mit dieser Situation müssen sich Obdachlose immer wieder auseinandersetzen. Studierende der Ruhr-Universität Bochum haben für sie im vergangenen Sommersemester eine kostenlose Alarmanlage entwickelt, die im Dezember 2020 bundesweit getestet wird.

 
Der sogenannte „Clochard Alert“ entstand unter der Regie von Dr. Christoph Baer, seines Zeichens Akademischer Rat an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik. Baer holte bereits vor drei Jahren die „Special Interest Group on Humanitarian Technology“ (Sight) nach Deutschland, die sich humanitären Aufgaben und Anwendungsbereichen widmet.

Mit dem Verein „Unsichtbar“, der Obdachlosen und finanzschwachen Menschen hilft, entwickelten der Hochschullehrer und seine Studierenden eine Alarmanlage für Obdachlose, die innerhalb von sechs Monaten bis zur Produktreife umgesetzt wurde. Die Elektronik versteckt sich in einem zylindrischen Gehäuse, das acht Zentimeter lang ist, bei einem Durchmesser von drei Zentimetern. In das Gehäuse wird das Sicherungskabel gesteckt.
 

Christoph Baer (Mitte) stellt dem Verein Unsichtbar die Alarmanlage vor; links Vereinsgründer Holger Brandenburg und rechts Andreas Steinhof.

„Mit diesem dünnen Kabel kann der Obdachlose seine Habseligkeiten verschnüren. Ist das Kabel eingesteckt, kann der Alarm auf Knopfdruck scharf gestellt werden. Wird das Sicherungskabel gewaltsam herausgezogen oder durchtrennt, ertönt der Alarm, der hoffentlich den Dieb erschreckt, den Obdachlosen aufweckt und das Interesse weiterer Passanten erregt“, erklärt Christoph Baer.

Die Batterien der Anlage sollen im Idealfall bis zu neun Jahre reichen. Gebaut werden zunächst 20 Geräte, die im Dezember in ganz Deutschland von Hilfsorganisationen begutachtet und verteilt werden. „Am Ende des Wintersemesters wollen wir die Ergebnisse dieser Feldstudie evaluieren. Sollte sich der Clochard Alert bewähren, würden wir zunächst eine Kleinserie von 200 Stück anstreben, die wir in zwei bis drei Monaten bauen könnten“, sagt Christoph Baer.

Doch das Projekt soll noch weitergehen. Baers Team arbeitet außerdem an einem per Powerbank-betriebenen Heizpad für Obdachlose. 200 Stück wollen Baer und die Studierenden möglichst noch in diesem Jahr verteilen. Finanziell unterstützt werden beide Projekte sowohl von der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik als auch von Sight. Auch die Mechanische Werkstatt der Fakultät hilft, sie baut die Zylinder für den Clochard Alert.

PM+

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