Die wohlriechenden handlichen Stücke aus der Seifenmanufaktur St. Annen sind es sicher nicht. Ist die handwerkliche Produktion doch in unmittelbarer Nachbarschaft einer über 500 Jahre alten Wallfahrtskirche angesiedelt. Wertvolle Rohstoffe, ausgefallene Duftkompositionen und die schonende Herstellung haben den kleinen Betrieb zu einem echten Geheimtipp werden lassen.

 
„Meine Mutter hatte einen Waschsalon“, erzählt Britta Heidland und erklärt damit ihren Einstieg in die Seifenproduktion. Sie und ihr Mann Oliver Rautenberg hätten sich anfangs überlegt, ein ökologisches Waschmittel zu entwickeln, diesen Plan dann aber zugunsten der Seife aufgegeben. 2004 stellten sie gemeinsam ihre erste Seife her. Vier Jahre später zogen die beiden mit ihren Kindern in das ehemalige Dorfgasthaus in St. Annen und gründeten die Seifenmanufaktur.
 
Was ist eine Manufaktur?
 
„Unsere Manufaktur ist eine echte Alternative zu den großen Industriebetrieben“, erklärt Rautenberg. Zusammen mit seiner Frau ist der Biologe verantwortlich für das umfangreiche Angebot, das längst auch Körperöle und Badesalze umfasst. „Seife ist etwas sehr Sinnliches“, sagt Heidland. Hochwertige Rohstoffe und sorgfältige Handarbeit sind für die beiden deshalb selbstverständlich.
 

Heidland & Rautenberg mit einer Seifenform


Wo entsteht die Seife?
 
Der Blick in die ehemalige Backstube erinnert ein wenig an die Labore mittelalterlicher Alchemisten. Töpfe, Gläser, Rührbesen, Holzformen und hölzerne Seifenkisten bestimmen das Bild. Die durch ein Fenster einfallenden Sonnenstrahlen bringen das soeben in Fläschchen abgefüllte Körperöl goldgelb zum Leuchten. In einem der großen Fässer lagert intensiv duftendes Kokosöl, daneben eines mit kalt gepresstem Olivenöl, beides unverzichtbare Seifenbestandteile.
 

Körperöl


Wie entsteht Seife?
 
Das Öl wird in großen Kochtöpfen zum Sieden gebracht – es darf nämlich nicht gekocht werden! Unter Zugabe von Natronlauge setzt der Prozess der Verseifung ein. Jetzt werden nach und nach die entsprechenden Aromaöle und Kräuter hinzugegeben. Der erkaltende und noch flüssige Inhalt wird dann in längliche Holzformen gegossen, in denen die Seifenmasse über einen Zeitraum von etwa 24 Stunden Flüssigkeit abgibt und fest wird. Diese Seifenstangen werden mit einer eigens dafür konstruierten Schneidevorrichtung in jeweils 50 quadratische Seifenstückchen mit einem Reifegewicht von etwa 100 Gramm geschnitten.
 

Öle und Fette


Was zeichnet die Seifen aus?
 
„Wir verwenden nur rein pflanzliche Öle zur Seifenproduktion, wie das früher üblich war“, betont Rautenberg. Außerdem wird aus ökologischen Gründen komplett auf den Einsatz von Palmöl verzichtet. Die Seifen sind vegan. Dies sei vor allem für junge Menschen inzwischen extrem wichtig. Im Vergleich zu Shampoos fällt bei den Seifen zudem so gut wie kein Verpackungsmaterial an. Und, dieser Hinweis ist Rautenberg sehr wichtig, schließlich weisen Seifen aufgrund ihres basischen ph-Werts einen desinfizierenden Charakter auf. Die Zugabe von Konservierungsstoffen sei deshalb völlig überflüssig.
 

Stempel der Friedensseife

Kann Seife Spaß machen?

Den sinnlichen Zauber der Seife präsentiert Heidland im angeschlossenen kleinen Laden, in dem eine gemütliche Sitzecke zum Verweilen und Schnuppern einlädt. Interessierten Gruppen werden in der historischen Gaststube Kaffee und Kuchen serviert, bevor es dann im früheren Festsaal heißt „Vorhang auf für die Seifenkochshow!“. Vor den Augen (und Nasen) aller Gäste entsteht eine Seife – kann das denn Sünde sein?

 


 

Kontakt
Seifenmanufaktur St. Annen
Zur Howe 15, 49326 Melle
Telefon: 05428-325002,
https://www.seifenmanufaktur-st-annen.de/

Yörn Kreib

Yörn Kreib beschäftigt sich seit über 20 Jahren als freier Journalist vorzugsweise mit touristischen und ökologischen Themen - u.a. für Tageszeitungen, Reisemagazine (z.B. NORDIS, Verträglich Reisen) und Tourismusverbände (z.B. Visit Denmark). Von Beginn an freier Mitarbeiter bei „Osnabrücker Wissen“.