Eine Zeitreise steht womöglich bei vielen Menschen auf der Bucket-List. Was als unmöglich gilt, wird in Russland zur Realität – zumindest ein bisschen. In Osnabrücks Partnerstadt Twer verkehrt regelmäßig eine Dampflok mit historischen Passagierwaggons.

Wer Samstag früh den Bahnhof Bologoje betritt, findet sich in den späten 40er-Jahren wieder. Eine schwarz-rot-grüne Lokomotive der Baureihe L, ein roter Stern an der Front, dampft wartend auf den Gleisen und versprüht den Charme vergangener Zeiten. Am Bahnsteig tummeln sich bereits die Passagiere. Von Kopf bis Fuß auf den Stil der 40er eingestellt. Die Damen haben ihre Haare in Wasserwellen gelegt, der rote Lippenstift leuchtet. Herren im eleganten Anzug, auf dem Kopf ein Filzhut, den Trenchcoat lässig über den Arm gehängt. Der Schaffner, in authentischer Kluft, verkauft Fahrkarten, die wie Sammlerstücke anmuten. Kostenpunkt: Rund 4 Euro pro Einzelfahrt.

Wohin geht die Reise?

Was wie eine Filmkulisse wirkt, ist eine gefragte Freizeitattraktion für Einheimische und Touristen: Um 9.25 Uhr fährt der historische Pendlerzug Richtung Ostaschkow. Zwischenhalt: der Museumsbahnhof von Kuschenkino. Für die Organisation der Retro-Züge zeichnet die eigens gegründete Tourismusfirma der Russischen Eisenbahnen (RZhD) verantwortlich.

 

Welche historischen Strecken gibt es noch in Twer?

Die Stadt Twer, Hauptstadt der gleichnamigen Region, liegt auf halber Strecke zwischen St. Petersburg und Moskau. Urkundlich erwähnt wurde Twer bereits 1135, und ist damit älter als Moskau. Unter Katharina II. wurde ab 1776 die Verbindung St. Petersburg – Twer – Moskau zur ersten befestigten Straße Russlands ausgebaut.

 

 

 


Partnerstadt Twer
Was 1973 mit einer Studienfahrt des Osnabrücker Stadtjugendrings begann, entwickelte sich zu einer engen Freundschaft. Seit 1991 besteht ein Partnerschaftsvertrag zwischen Osnabrück und Twer. Anlässlich des Deutsch-Russischen Themenjahres 2017/18 zeichneten Heiko Maas, Bundesminister des Auswärtigen der Bundesrepublik Deutschland, und Sergej Lawrow, Außenminister der Russischen Föderation, den Städtebotschafteraustausch als Symbol freundschaftlicher Zusammenarbeit aus.

Sina-Christin Wilk

Als freie Journalistin und Texterin ist Sina-Christin Wilk stets auf der Suche nach interessanten Stories und spannenden Einblicken. Ihre zentrale Fragestellung dabei ist immer: Was treibt Menschen an, was bewegt sie? Seit 2016 bereitet sie entsprechend Themen für „Osnabrücker Wissen“ auf. Außerdem schreibt sie u.a. für die "Neue Osnabrücker Zeitung" und "Kultura Extra".