Lassie, Rex, Struppi, Strolch und natürlich der Löwenpudel – die Liste bekannter Hundefiguren ist lang. Dem Einen geliebte Fellnase, dem Anderen lärmende Töle. Treuer Freund oder Hassobjekt, der menschliche Blick auf den Hund ist extrem vielfältig und kontrovers. Wie ist es denn eigentlich in Osnabrück um das Verhältnis Mensch-Hund bestellt?

Wohl kaum ein Haustier ist dem Menschen im Laufe der Jahrhunderte so nah gekommen wie der Hund. Lassen sich mit ihm doch die vielfältigsten Bedürfnisse befriedigen. „Sie werden ja nicht nur für die klassischen Aufgaben eingesetzt, in denen ihre Sinne den unsrigen überlegen sind – als Spürhunde, Blindenhunde, Wachhunde, Kampfhunde usw. Sie können auch als ganz dezente oder gar nicht wahrnehmbare Statussymbole dienen“, erklärt der Psychologe Prof. Dr. Julius Kuhl. Außerdem könnten sie dem Bedürfnis nach Macht entgegenkommen. „Für manche Menschen fungieren sie als gehorsame Befehlsempfänger und als Macht-Prothese“, so Kuhl.

Doch damit nicht genug. Wieder anderen Menschen geben sie das Gefühl von Nähe, Sicherheit und Geborgenheit (bis hin zur Treue) und sind dann geradezu ein Beziehungsersatz.

 

War der Löwenpudel hundesteuerpflichtig?

Diese von den Osnabrückern erfundene und geliebte Hundegestalt soll dereinst den Zorn Karls des Großen besänftigt und dadurch die junge Stadt Osnabrück vor der Zerstörung bewahrt haben, weiß augenzwinkernd Sabine Meyer vom Osnabrücker Erzähltheater zu berichten.

Hundesteuer ist um 800 in Stadt und Bistum Osnabrück allerdings noch kein Thema. Die ersten Erhebungen einer Hundesteuer datieren in Deutschland auf den Beginn des 19. Jahrhunderts und wurden vielfach als Maßnahme zur Eindämmung der Tollwut durch die damit verbundene Reduzierung der Hundezahlen bezeichnet.

Sabine Meyer und der Löwenpudel

Wie viel Hundesteuer fließt in die Stadtkasse?

Die Hundesteuer wird in Osnabrück je Hund erhoben und fließt direkt in die Stadtkasse. Dabei kann die Höhe der Hundesteuersätze von den jeweiligen Kommunen selbst festgelegt werden und variiert deshalb zum Teil erheblich. In Osnabrück sind seit 2018 die folgenden Jahresbeiträge zu zahlen: für den ersten Hund 120 Euro, für den zweiten Hund 162 Euro und für jeden weiteren Hund 198 Euro.

Für einen nach dem Niedersächsischen Gesetz über das Halten von Hunden als gefährlich eingestuften Hund sind 720 Euro zu zahlen. Ende 2019 erfolgten Hundesteuerfestsetzungen für 36 gefährliche Hunde. 2019 flossen für die 6.222 ordnungsgemäß angemeldeten Hunde rund 798.000 Euro an Hundesteuer in die Stadtkasse, immerhin ein Plus von mehr als 220.000 Euro gegenüber 2010.

 

Wie wird man/frau Hundehalter?

Seit dem 1. Juli 2013 läuft ohne den “Hundeführerschein“ zumindest für fast alle, die sich zum ersten Mal einen Vierbeiner anschaffen, nichts mehr. Ohne erfolgreiches Absolvieren einer theoretischen und einer praktischen Sachkundeprüfung gibt es kein grünes Licht für die legale Haltung eines Hundes. Natürlich ist der vorgeschriebene Sachkundenachweis mit Kosten und Gebühren verbunden. So fühlt sich mancher angehende Hundehalter angesichts dieser Regelung denn auch eher finanziell ausgenutzt. Zumal die ebenfalls in den Neuregelungen des Niedersächsischen Gesetzes über das Halten von Hunden (NhundG) verbindlich verankerte Meldepflicht zum Zentralen Register mit weiteren Gebühren verbunden ist.

 

Löst der Hundeführerschein alle Probleme?

Leider nein, stellen zumindest die Osnabrücker immer wieder fest, die häufig zu Fuß oder per Rad in ihrer Stadt unterwegs sind. Seien es die Hinterlassenschaften der Hunde auf Liegewiesen und Fußwegen oder aber überengagierte Hunde, die einem mal wieder viel zu nah kommen. Oftmals begleitet von den klassischen Sprüchen des menschlichen Hundebegleiters: „Der will nur spielen“ oder „Der tut nichts“. Das mag durchaus zutreffen, aber nicht jeder Fußgänger oder Radfahrer möchte das auch ausprobieren.

 

An welchem Ende der Leine hängt das Problem?

Sind Hunde, die sich im öffentlichen Raum lösen und anschließend (natürlich) nicht sauber machen, ein Fall für das Ordnungsamt? Nicht unbedingt, denn „das Problem mit den Hinterlassenschaften der Hunde hängt meist am anderen Ende der Leine“, wie Monika Nestmann vom Pressedienst der Stadt Osnabrück zu berichten weiß.

Lärmbelästigung durch bellende Hunde, Verunreinigungen durch Hundekot sowie Verstöße gegen den Leinenzwang, der in vielen städtischen Bereichen selbst ganzjährig gilt, stellen nach Auskunft der Stadt durchaus eine relevante Problematik dar, die den Fachbereich Bürger und Ordnung auch personell bindet.

Außerdem wurden 2019 insgesamt 30 Beißvorfälle mit Hunden angezeigt, bei denen insgesamt 20 Personen (davon drei Kinder) unterschiedlich schwer verletzt wurden. Die Stadt ahndet derartige Verstöße mit einem Bußgeld von 55 Euro sowie der Anordnung eines Maulkorb- und Leinenzwangs.

 

Besteht Handlungsbedarf für Hundehalter?

Ja, denn viele Osnabrücker haben Angst vor tatsächlich oder vermeintlich gefährlichen Hunden und ärgern sich über die Hinterlassenschaften in der Landschaft – die es allein aufgrund der von der Stadt aufgestellten fast 160 Hundekotbeutel-Stationen nicht mehr geben müsste.

Ilona Breuer, Osnabrücker Hundephysiotherapeutin, betont vor allem die Bedeutung eines gegenseitigen, respektvollen Umgangs miteinander: „Es ist wichtig, meinen Hund an die Seite zu nehmen und eine direkte Konfrontation zu vermeiden wenn ich als Hundebesitzer auf Menschen mit oder ohne Hund treffe – oder die Begegnung erst nach Absprache zuzulassen!“

So hätten auch ängstliche und unsichere Menschen bzw. Hunde die Chance, stressfrei durch die Natur zu laufen. Breuer beobachtet darüber hinaus, dass viele Hundehalter durch die zunehmende Nutzung von Smartphones wichtige, von den Hunden ausgehende Signale gar nicht mehr wahrnehmen.

 

Leiden Hunde an Übergewicht?

Selbst unter Hunden mittlerweile eine häufig gestellte Diagnose: Übergewicht. Dadurch kommt es zu Fehlbelastungen, die zu Wirbelsäulenblockaden oder zu Kreuzbandrissen führen können. Breuer empfiehlt deshalb prophylaktische Untersuchungen durch den Hundephysiotherapeuten, um Blockaden frühzeitig zu erkennen und Fehlbelastungen der anderen Strukturen zu vermeiden. Oder durch den Tierarzt, um frühzeitig Erkrankungen auszuschließen.

Eine gute Prophylaxe wäre ausreichend Bewegung. Für all diejenigen Zwei- und Vierbeiner, die auch öfter mal mehr als nur eine Runde „Gassi“ gehen möchten, hat Ulli Vogel, Geschäftsführer des Osnabrücker Reiseveranstalters Natours Reisen, mit Hundewandern exakt das passende Angebot entwickelt.

 

Hundetrainerin Ela Badewien und ihre Hunde

Was sollen Hunde fressen?

Ela Badewien, Hundetrainerin und Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen, hat diesbezüglich klare Vorstellungen. „Zur artgerechten Haltung gehört eine artgerechte Ernährung. Die Ernährung unserer Hunde sollte sich deshalb am Wolf orientieren“, sagt sie. Wie der Wolf sei der Hund ein Beutetiergreifer.

Badewien empfiehlt deshalb BARF (Biologisch Artgerechtes Rohes Futter), denn BARFEN bedeute nichts anderes als „Wir basteln uns ein Beutetier“. Bei BARF bestehen die roh verfütterten Rationen daher aus frischem Fleisch, Innereien, Knochen oder Fisch ergänzt mit Obst bzw. Gemüse. In jedem Fall sollte das Futter aber aus natürlichen Zutaten bestehen und keine künstlichen Zusätze enthalten.

 

Wer findet Trüffel im Minutentakt?

Entscheidender Schlüssel einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund ist (aus Sicht des Menschen) die Bereitschaft und das Interesse des Hundes, „gerne und unmittelbar mit ihren Menschen in Kontakt zu treten“, erklärt Jan Degener von der ökologischen Schäferei auf dem Degenerhof in Melle. Ohne den Einsatz der selbst gezüchteten und ausgebildeten Border Collies wäre der Betrieb einer Schäferei kaum möglich. Die Schäferin und Hundetrainerin Anne Krüger-Degener hat das von ihr entwickelte Kommunikationstraining für Mensch und Hund, die HarmoniLogie®, ausführlich in ihrem Buch „Wenn Hunde lachen!“ beschrieben und vermittelt dies in Veranstaltungen ihrer eigenen Hundeschule.

Ohne seine ausgebildete Trüffelhündin Jule würde auch Thomas Wittich mit leeren Händen aus dem Teutoburger Wald heimkehren. Erst im Team sei ihre Suche von Erfolg gekrönt und „Jule findet Trüffel im Minutentakt“, freut sich Wittich.

Ist Osnabrück also auf den Hund gekommen?
Ausgehend von einer überlieferten Herleitung dieses Sprichworts, lässt sich die Frage mit NEIN beantworten. Angeblich wurde früher auf den Boden von Geldtruhen ein Hund gemalt, der als symbolischer Wächter das darin gelagerte Eigentum beschützen sollte. Entnahm man der Truhe so viel Geld, dass der Hund sichtbar wurde, war man auf den Hund gekommen. Laut Auskunft der IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim gibt es leider keine Angaben zur Wirtschaftskraft des Hunde- bzw. Heimtiermarktes in Osnabrück. Dafür aber eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung von Prof. Dr. Renate Ohr (Universität Göttingen). Laut der „Heimtierstudie 2019“ liegt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage im Bereich der Heimtierhaltung in Deutschland bei schätzungsweise 10,7 Milliarden Euro pro Jahr. Damit verbunden sind ca. 210.000 Vollzeitarbeitsplätze (bzw. Vollzeitäquivalente).

Yörn Kreib

Yörn Kreib beschäftigt sich seit über 20 Jahren als freier Journalist vorzugsweise mit touristischen und ökologischen Themen - u.a. für Tageszeitungen, Reisemagazine (z.B. NORDIS, Verträglich Reisen) und Tourismusverbände (z.B. Visit Denmark). Von Beginn an freier Mitarbeiter bei „Osnabrücker Wissen“.