Dr. Thomas Veen ist seit 2017 Präsident des Landgerichts Osnabrück und Vorsitzender der 1. Zivilkammer. Im Februar 2020 wurde er vom Niedersächsischen Landtag zum Richter am Staatsgerichtshof des Landes Niedersachsen gewählt. 

 
Warum sind Sie Richter geworden?
Ich wollte immer nah am Menschen arbeiten. Erst im Referendariat hat sich herauskristallisiert, dass es mich in die Justiz zieht: Mein Ausbilder am Zivilgericht in Münster hat mich mit seiner Arbeit sehr beeindruckt.

Was war Ihr anspruchsvollster Fall?
Familienrechtliche Angelegenheiten, insbesondere sorgerechtliche Fragen sind mir immer sehr nahe gegangen. Da stellt sich die Frage: Wie stark darf sich der Staat in Familie einmischen?

Warum sind Roben im Gerichtssaal Pflicht?
Wir tragen einheitliche Kleidung, weil wir nicht als Personen, sondern als Repräsentanten der dritten Gewalt entscheiden.

Dauern Prozesse zu lange?
Mit durchschnittlich neun Monaten bis zur ersten Verhandlung in erstinstanzlichen Zivilsachen sind wir recht schnell. Man muss bedenken, wie viel Vorlaufzeit ein Prozess beispielsweise für den Schriftverkehr und die damit einhergehenden Fristen benötigt.

Sind Gerichtsurteile immer richtig?
Wir bemühen uns, keine Fehler zu machen. Aber es wäre eine Illusion zu glauben, dass Fehler nie passieren. Deshalb gibt es als Kontrollmechanismus den Instanzenzug.

Wie digital arbeitet das Landgericht?
Seit dem 1.1.2018 können wir den gesamten Schriftverkehr mit Rechtsanwälten und Behörden digital erledigen. Als nächsten Schritt werden wir in diesem Jahr unsere Verwaltungsakten komplett digitalisieren.

 

Dr. Thomas Veen gewährt „Osnabrücker Wissen“ einen Einblick in das Archiv des Landgerichts. Rechts daneben Richter und Pressesprecher Dr. Christoph Sliwka sowie unsere Redakteurin Sina-Christin Wilk.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Mediation gesammelt?
Seit 15 Jahren führen ausgebildete Güterichter Mediationen mit großem Erfolg durch: Rund 75 bis 80 Prozent der Fälle werden mit einem Vergleich abgeschlossen. Ich bin ein überzeugter Anhänger der Mediation, weil ich glaube, dass die von den Parteien gefundene Einigung besser ist als die Entscheidung des Staates durch ein Gerichtsurteil.

Wann wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen?
Wir wollen Vertrauen schaffen, die Öffentlichkeit ist deshalb ein ganz wichtiger Aspekt unserer Arbeit. Dennoch müssen Zuschauer in bestimmten Fällen ausgeschlossen werden. Zum Beispiel beim Familiengericht oder um Opfer von Straftaten zu schützen.

Haben Sie Angst, dass sich Verurteilte rächen könnten?
Die Distanz nimmt ab, die Leute werden in manchen Situationen ungehemmter und der Ton wird rauer. Aber Angst habe ich nicht.

Sind Sie selbst schon einmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten?
Ich bin nie vorsätzlich mit dem Gesetz in Konflikt geraten, habe aber Punkte in Flensburg gesammelt. Es ist menschlich, Fehler zu machen.

Sina-Christin Wilk

Als freie Journalistin und Texterin ist Sina-Christin Wilk stets auf der Suche nach interessanten Stories und spannenden Einblicken. Ihre zentrale Fragestellung dabei ist immer: Was treibt Menschen an, was bewegt sie? Seit 2016 bereitet sie entsprechend Themen für „Osnabrücker Wissen“ auf. Außerdem schreibt sie u.a. für die "Neue Osnabrücker Zeitung" und "Kultura Extra".