Diese Frage konnte in den 1950er Jahren nur verneint werden und die „Chem. Fettglanz-Wichse-Fabrik Rud. Starcke“ nutzte sie, um die volle Aufmerksamkeit der Passanten auf sich zu ziehen, wenn sie mit ihren Lautsprecherwagen durch die Straßen fuhr. Mit auf Schallplatten aufgenommen Werbesprüchen und -liedern beschallten sie Siedlungen in und um Osnabrück, um ihr Bohnerwachs unter die Hausfrauen zu bringen.

 
Das Bohnern der Holzfußböden war eine mühselige Arbeit, die den Frauen regelmäßig den Schweiß auf die Stirn trieb. Aber ein glänzender, gepflegter Boden war der Stolz jeder Hausfrau und Bohnern war im Gegensatz zu heute notwendig, denn die Böden wurden noch nicht mit einem Schutzlack dauerhaft versiegelt. Sobald der Boden gereinigt war, musste ein Wachs aufgebracht und mit einem bis zu 5 kg schweren Bohnerblock eingearbeitet werden. Seit 1912 waren zwar auch elektrische Bohnermaschinen auf den Markt, diese konnten sich aber nur die wenigsten Haushalte leisten.
 
„Nehmen Sie bitte mal ein gutes Bohnerwachs, das Sie dünn auftragen können und mit dem Sie schnell und leicht einen dauerhaften Hochglanz erzielen. Ein solches Wachs ist Diabona mit Sparsieb, Sie werden überrascht sein über das gute Aussehen Ihres Fußbodens.“ Mit diesem lautstarken Versprechen, das Bohnern mit „Diabona“ zu erleichtern, schien das Unternehmen Erfolg zu haben. Das Produkt verkaufte sich gut und brachte einen erheblichen Umsatz.
 

 

JETZT IM MUSEUM! 
Die Lautsprecheranlage, die einst die Werbebotschaften der “Chem. Fettglanz-Wichse-Fabrik Rud. Starcke“ verbreitete, wird mit Erscheinen dieses Artikel im Museum Industriekultur Osnabrück ausgestellt. Sie ist dort bis Ende Dezember 2020 zu sehen.

 
Neben den Lautsprecherwagen waren zudem auch weitere für die Zeit gängige Werbemedien für die Vermarktung zweckvoll, wenngleich sie einen hohen Einsatz von Personal bedeuteten: Verteilung von Handzetteln und Bilderkarten, Plakataktionen, Messebesuche sowie die Aussendung von Vertretern, die die Wirksamkeit des Produktes vor Ort in den Haushalten präsentierten.

„Diabona“ war aber nicht das einzige Erzeugnis des Betriebs, es wurden zudem Lederfett, Vaseline-Präparate und Haarpomaden hergestellt. Eines der bekanntesten und ersten Produkte der 1879 gegründeten Fabrik in der Süsterstraße in Osnabrück war die „Diamantine“. Wichtigster Rohstoff dieser Schuhwichse war schwarze Tonerde, die es nur in einem eigens dafür angekauften Bergwerksstollen in der Rhön gab.

Mit zunehmendem Umsatz verlegte das Unternehmen seinen Standort von Osnabrück nach Melle und existiert dort weiterhin erfolgreich und international in 4. Generation unter dem Namen „Starcke GmbH & Co. KG“. Mittlerweile konzentriert sich die Entwicklung und Produktion allerdings nicht mehr auf Putz- und Pflegemittel, sondern auf verschiedenste Schleifmittel.
 

Barbara Kahlert

Barbara Kahlert ist 1978 in Ostercappeln geboren und studierte Geografie in Göttingen mit dem Schwerpunkt auf Geologie, forstliche Bodenkunde und Naturschutz. Seit 2006 arbeitet sie am Museum Industriekultur Osnabrück als wissenschaftliche Mitarbeiterin, hat dort die Dauerausstellung kuratiert und ist zuständig für die Sonderausstellungen.