Wenn man es nicht schon vergangenes Jahr mitbekommen hat, dann spätestens dieses Jahr. Die deutschen Wälder haben ein großes Problem, auch wenn es eigentlich sehr klein ist: den Borkenkäfer. Doch was genau macht dieser Käfer eigentlich und wieso ist er gerade in den letzten Jahren zum Problem geworden?

War in den 1980ern der saure Regen der größte Feind des Waldes, so ist es heute die Trockenheit. Trockenstress verlangsamt den Stoffwechsel der Bäume. Es kann zum Abwerfen von Laub und Ästen kommen, das Wachstum ist eingeschränkt und es werden weniger Früchte ausgebildet. Stehen die Bäume erstmal unter Stress, ist die Chance eines Insektenbefalls hoch.

Der Borkenkäfer (v. a. Buchdrucker und Kupferstecher) trat in den vergangenen Jahren immer wieder ins Scheinwerferlicht. Auf seinem Speiseplan stehen v. a. kränkelnde und absterbende Bäume, die nach großen Unwettern der letzten Jahre (Kyrill 2007, Friederike 2018) zuhauf bei uns zu finden waren. Besonders beliebt ist dabei die Fichte.

Im Sommer 2018 wurde die Harzproduktion der Fichten mehr oder weniger gestoppt. Das Harz gilt jedoch als biologisches Bekämpfungsmittel gegen Schädlinge wie den Borkenkäfer. Diese vernichten das Wachstumsgewebe und die Rinde des Baumes bis es zum Absterben kommen kann. Aufgrund weltweit steigender Temperaturen hat sich die Eiablage der Käfer immer weiter nach vorne geschoben, sodass bis zu drei Generationen Borkenkäfer in einem Jahr entstehen können. Aus einem einzigen Käfer können so bis zu 400 Käfer werden.

 

Wie verbreitet ist der Borkenkäfer in unserer Region?

Auch in der Region Osnabrück ist der Käfer ein großes Problem. Dank Sturm Friederike, der vergangenen Dürre-Sommer und der Borkenkäferplage, mussten aktuell knapp 2.000 Hektar Wald im Forstgebiet Weser-Ems gefällt werden. In Niedersachsen insgesamt waren es bisher mind. 10.000 Hektar. Ein Fall des Holzpreises um bis zu 50% kommt noch dazu.

Kann man trotz allem den Borkenkäfer für die Probleme verantwortlich machen oder war doch wieder der Gärtner der Mörder? Da wir den Käfern die derzeitigen Klimaveränderungen nicht zuschreiben können, ist die Schuld eher bei uns zu suchen. Probleme wie Trockenheit und vermehrter Schädlingsbefall werden uns wahrscheinlich noch lange Zeit begleiten. Eine langfristige Lösung des Problems liegt vor allem in der Änderung von Nadel- zu Mischwäldern. Also einfach mal beim nächsten Waldspaziergang den Blick etwas weiter schweifen lassen, vielleicht entdeckt man ja noch etwas Neues.

 

 

Anna Ameskamp

Anna Ameskamp wurde 1991 in Vechta geboren und hat in Göttingen Ökosystemmanagement studiert. Anschließend absolvierte sie ihr Masterstudium Boden, Gewässer und Altlasten in Osnabrück. Seit 2019 ist sie als wissenschaftliche Volontärin im Museum am Schölerberg in Osnabrück tätig und zeigt großes Interesse an unterschiedlichsten naturkundlichen Themen.